Wie sagt man so schön? Neues Jahr, neues Glück!? Nun, genau das trifft auf mich zu. Besser hätte 2011 für mich nicht starten können. Ich möchte es mal mit dem Wort "Angekommen" beschreiben. Denn nach meiner Weltreise, meinen beruflichen und privaten Bestrebungen in Rio de Janeiro, der Nahtod-Erfahrung in Thailand und meinem Versuch als Geschäftsführer einer PR-Agentur in Berlin, darf ich nun voller Stolz behaupten, dass ich in meiner Heimatstadt Osnabrück langfristig Wurzeln schlagen werde.
Genauer gesagt, habe ich diesen Monat offiziell meine neue Arbeitsstelle als PR Director bei Die Etagen GmbH (hier geht es zur Internetpräsenz der Agentur) in Osnabrück begonnen. Was soll ich mehr sagen, ohne dass dieser Blogbeitrag gänzlich in Eigen-PR ausartet? Ich fühle mich bereits sehr wohl im Kreise meiner neuen Kollegen. Und das allerbeste: in der Büroküche steht eine Couch!
Witzigerweise wird mich das Thema "Couchsurfing" auch beruflich weiter begleiten. Denn, meine Erfahrungen als "Extreme-Couch-Hopper" sind für eine tolle PR-Initiative gefragt. Hierzu berichte ich in ein paar Wochen sicher mehr.
Nun aber zum wesentlichen Teil meines ersten Blogbeitrages! Alex Kahl, Social Media Experte und Betreiber des Nachbarblogs "Pedestrian2Pilot" hat auf seiner privaten Projektseite "Reiseexperten" zu einer Blogparade eingeladen. Dabei geht es darum, 19 ausgewählte Fragen über das Thema Reisen zu beantworten. "Klar, dass Du da mitmachen musst", sagte mir Alex am Telefon. Wäre ja auch für die Leser meines Blogs ganz interesssant, diese besondere Form eines Interviews im Blog zu lesen. Also, ich wünsche angenehme Lektüre... und danke schon im Voraus für Euer Feedback! ;-)
Was treibt Dich überhaupt an zu reisen?
Mein kaum zu stillender Wissensdurst und die nicht zu bändigende Angst, ich könnte in der Welt etwas verpassen...
Dein erster richtiger Trip: Wie bist Du wohin gereist – und warum?
Als Zwölfjähriger mit dem Zug nach Wangerooge. Mit 20 Deutsche Mark, einer Dose Milchreis, einem Glas Würstchen und einem Zelt im Gepäck. Ich wollte meinen besten Freund Christian besuchen, der mit seinen Eltern dort Urlaub machte. Im Nachhinein denke ich, ich muss wirklich geistig umnachtet gewesen sein - so unvorbereitet einen mehrtägigen Trip auf eine Nordseeinsel zu unternehmen.
Dein wichtigster Ratschlag aus eigener Erfahrung, an jemanden, der sich auf Reisen begibt?
Erwartungen nicht zu hoch schrauben, nicht zu sehr durchplanen (es muss auch noch Platz für Improvisationen bleiben) und sich vorher im Internet über die jeweiligen Standorte informieren (Wikipedia, Auswärtiges Amt sowie einschlägige Foren).
Wenn Du 50 Tage lang, jeden Tag 200km weiter fährst – was wäre Dir besonders wichtig?
Hmmm, Alex, diese Frage verstehe ich, ehrlich gesagt, nicht so richtig... Meinst Du vielleicht, dass mich dabei die Spritpreise nicht in den finanziellen Ruin treiben? ;-)
Unterwegs macht man die spannendsten Bekanntschaften und trifft Menschen, die einen ganz besonders berühren. Wo und wie hast Du die interessantesten Bekanntschaften gemacht?
Ganz ehrlich, konkret weiß ich dazu keine Antwort. Es waren so viele besondere Menschen, viele, die mich auch besonders berührten. Sei es der Bänker aus New York, der das Attentat auf das World Trade Center nur knapp überlebte und seither traumatisiert ist. Der asiatische Mitarbeiter einer Ölfirma im Irak, der am Abend noch mit mir und meinem Kollegen im schwer gesicherten Hotel auf dem Flur nett plaudert und am nächsten Morgen von einem Killerkommando umgebracht wird. Oder eine brasilianische Schönheit, die mir die Leichtigkeit des Seins unmissverständlich vor Augen führte. Ich könnte Hunderte von Beispielen nennen...
Ein Blick in Deinen Koffer: Was darf NIE fehlen?
Ein eingerahmtes Foto meines Sohnes Liam, Laptop, Fotoapparat (ganz wichtig!), Haargel (damit die Frisur bei Wind & Wetter steht... )
Gibt es eine Reise, die Du in Deinem Leben unbedingt noch unternehmen möchtest?
Kleiner Tipp, ein Zitat von Neil Armstrong: "Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit." - Und wenn es ein wenig realistischer sein soll: eine Rucksacktour durch Kambodscha und Vietnam.
Geht es Dir auch so: Das spannende am Reisen ist das Unerwartete. Was war für Dich auf Deinen Touren das abgefahrenste?
Wenn ich das jetzt hier verrate, dann bleibt mir ja nichts mehr als Highlight für mein Buch. Aber gut, es gab eine Menge abgefahrene Dinge. Vor allem "Zufälle" bzw. Schicksalsbegegnungen, die ich alle darauf zurückführe, dass ich mit meinen Reisen an die entlegensten Orte der Welt geschickt dem Alltagstrott entfliehen konnte. Gibt es dann auch sicher bald in meinem Buch nachzulesen (ui, schon wieder Eigen-PR betrieben).
Und noch spannender ist im Nachhinein das, was schief ging. Was war Dein größtes Reisemissgeschick?
Wir schreiben das Jahr 2009. Es ist Oktober und die Sonne wirft ihre Strahlen erbarmunslos auf eine kleine Insel namens Mbudja vor Dar Es Salaam in Tansania. Ich bitte meinen Begleiter meinen Rücken mit Sonnencreme einzureiben. Er hat zwar Lichtschutzfaktor 50 verwendet, aber sträflich einige Regionen meines Körpers beim Eincremen vernachlässigt. Die Folge war der schlimmste Sonnenbrand meines Lebens. Kann passieren! Aber warum ausgerechnet zu einer Zeit, in der ich zwingend jeden Tag mit meinem Rucksack über 40 Kilogramm Gepäck schultern muss?
Ok, eine Steigerung gibt es noch: Magst Du uns die größte Dummheit erzählen, die Du auf einem Deiner Trips begangen hast?
Im Herbst 2004 habe ich mich mit einem Freund und Kollegen auf den Weg vom Nordirak nach Baghdad gemacht. Damals noch über die wohl mit Abstand gefährlichste Straße der Welt - zwischen Kirkuk und der Hauptstadt. Das alleine war schon eine kleine, gewagte Dummheit. Richtig dumm von mir war aber, dass ich später im Hotel (was eher eine kleine streng gesicherte Pension in einer Sicherheitszone war) auf den Gedanken kam, nur einen Schritt an die frische Luft zu wagen. Auf der kleinen Zweigstraße vor dem Hotel war gähnende Leere - zu der Zeit traute sich kaum ein Mensch auf die Straßen der Stadt. Kaum trat ich vor die Tür, da packten mich unsere Bodyguards (die vor der Tür Wache hielten) und zerrten mich unsanft wieder in die kleine Lobby des Gebäudes. Unser "Sicherheitschef" erklärte mir sinngemäß: "Willst Du sterben? Du trägst eine weiße Hose, ein weißes Hemd, hast weiße Haut und trägst zudem eine Sonnenbrille. Jeder Scharfschütze im Umkreis von 500 Metern vermutet in Dir sofort einen Amerikaner und somit als ein lohnendes Ziel." Nun, ich habe von da an keinen Schritt mehr ohne Leibwächter vor die Tür gewagt...
Was isst Du am liebsten auf Reisen? Ich habe die Erfahrung gemacht, am besten immer die Spezialitäten des Ortes statt Wiener Schnitzel oder Spaghetti Bolognese zu bestellen. Auch wenn es manchmal Abenteuerliches auf den Teller gibt, die regionalen Speisen werden am liebevollsten zubereitet.
Das sehe ich genauso. Nicht immer weiß ich, was ich tatsächlich auf den Teller bekommen habe. Einmal habe ich in Hongkong lebende Maden gegessen - wegen einer Wette. Undefinierbare Meerestiere in Senegal, irgendein Fleisch in Johannesburg, von den skurrilen Mahlzeiten in Asien ganz abgesehen. Aber was ich mir zur Aufgabe gemacht habe ist, dass ich in jedem Land eine Flasche eines heimischen Biergebräus trinke. Bisher wurde ich nur einmal enttäuscht. Auf Rarotonga. Finger weg von dem Matutu!!!
Das große Tief und Heimweh: Kennst Du sicher auch. Wann tritt es bei Dir ein und was tust Du dagegen?
Auf langen Reisen tritt es immer wieder ein, wenn ich an meinen Sohn denken muss. Dann greife ich unvermittelt zum Telefon oder zur Videotelefonie (dort wo möglich) und versuche Kontakt mit ihm aufzunehmen. Es ist immer wieder herrlich mit anzusehen, wie gut ein Dreijähriger (jetzt Vierjähriger) mit der Technik umgehen kann.
Auto, Flugzeug, zu Fuss, Zug, Trampen, Motor- oder Fahrrad – auf welche Art bist Du am liebsten unterwegs?
Nach meinem schweren Unfall mit dem Motorrad in Thailand, können wir die Option schon mal ausschließen. Kommt ansonsten auf die Situation an. Die Weltreise mit dem Fahrrad wäre sicher sehr anstrengend geworden und auch in der Form nicht realisierbar. Mit dem Flugzeug und der Bahn reise ich gerne, da ich immer wieder neue, fremde Menschen kennenlerne. Trampen? Hmmm... ganz ehrlich, aus dem "Alter" bin ich mittlerweile raus.
Unterwegs verändert sich irgendwann das Denken, Fühlen und es stellt sich ein Zustand von Entspannung ein, der einen auf verrückte Ideen bringt. Der Alltag zu Hause verschwimmt. Das Vorankommen und im Moment leben ist das Wichtigste. Wann stellt sich dieser Moment für Dich ein?
Alex, DU kennst mich! Das ist ein Moment der bei mir Dauerzustand ist. Jeden Tag neue Ideen, stets ein Vorankommen vor den Augen. Allerdings bleibt das Thema Entspannung bei mir ein wenig auf der Strecke. Da habe ich noch Nachholbedarf (klar, das behauptet sicher Jeder!)... :-p
Was meinst Du, warum viel und weit Gereiste so viel gelassener und selbstbewusster wirken?
Ich bin davon überzeugt, dass Reisen den Horizont in vielerlei Hinsicht erweitert. Die Erfahrungen, die man in anderen Kulturkreisen sammelt, sind so divers, dass sich der Reisende ein genaueres Bild von der Lebensart dieser Menschen machen können als Jene, die sich fast ausschließlich im eigenen Dunstkreis aufhalten. Womit ich aber ausdrücklich nicht behaupten will, dass diese "Nicht-Reisenden" nicht über einen erweiterten Horizont verfügen oder gelassen und selbstbewusster wirken/sind.
Die größte Reise ist die zu sich selber. Magst Du erzählen, was Du fern ab von allem Alltag über Dich selber heraus gefunden hast?
Die Erkenntnis, dass ich nicht der Nabel der Welt bin. Und dass ich meine Ideen zielstrebiger anpacken und umsetzen muss - zumindest es versuchen. Scheitern ist kein Weltuntergang. Im Gegenteil, es formt den Charakter...
Alleine oder in Begleitung? Wie reist Du am liebsten und was macht eine gute Begleitung für Dich aus?
Situationsbedingt. Auf meiner stressigen Weltreise hätte ich eine Begleitung sicher nicht gebrauchen können. Denn sie hätte sich stets nach meinen Plänen/Improvisationen richten müssen und es wäre auch zu Zweit schwieriger gewesen all' die Unterkünfte für eine Nacht zu organisieren. Ansonsten reise ich sehr gerne in Gesellschaft. Aber bitte keine Nörgler. Dafür ist mir die Reise/der Urlaub zu kostbar. Lieber genießen und erleben, statt sich zu ärgern.
Der transparente Trip, der ständig von außen nachvollziehbar ist. Wo Du bist, was Du siehst, was Du denkst. Kein Untertauchen, immer in Kontakt. Sofort und direkt – nicht hinterher im Reisebericht. Wie denkst Du über die Idee?
Ich habe es mit meinem Weltreise-Projekt genau so gelebt und es gab keine Probleme. Es wird immer Menschen geben, die nicht mit dem einverstanden sind, was und vor allem wie du es machst. Da musst du halt selbst entscheiden, ob du dich der Diskussion und Kritik stellen willst. Ich habe diese Frage für mich ganz klar beantwortet: Ja. Mein Leben darf bis zu einem gewissen Grad ein offenes Buch sein. Und dabei bin ich offen, direkt und ehrlich. Wer damit nicht klar kommt, muss meinen Blog nicht lesen, muss nicht mit mir bei Facebook, Twitter, Xing & Co. vernetzt sein, muss nicht mit mir einen Kaffee oder ein Bier trinken gehen. Ehrlich gesagt, ist es auch eine gute Methode, Freunde und Bekannte zu "finden", die mich so nehmen, wie ich bin. Und deswegen mache ich auch weiter mit der "Dokumentation" im Netz. Trotz Kritik. Das nennt man unter anderem auch Konsequenz...
Und eine letzte Frage, die uns ganz besonders wichtig ist, da wir während unseres Trips Träume in ganz Europa gesammelt haben – ganz unabhängig vom Thema Reisen: Was ist DEIN Traum?
Er wird wohl auf ewig unerfüllbar bleiben: Eine Welt ohne Grenzen. Sowohl geografisch als auch zwischenmenschlich gesehen...
Extreme-Couch-Hopping
In 80 Tagen um die Welt - das haben schon einige vor mir erlebt. Doch möchte ich mich nicht auf die Spuren Jules Vernes oder seines Romanhelden Phileas Fogg machen. Meine Idee: In 80 Tagen um die Welt, dabei jedoch in jeder Stadt auf der Couch eines Fremden übernachten. Über 20 Länder, sechs Kontinente. Mit Artikeln, Fotos und Videos halte ich meine Reise fest...detailgetreu...






2 Kommentare:
Herzlichen Glückwunsch! Du hast es geschafft: Willkommen im Club der Couch-im-Büro-Haber! :D
Hey, danke... ui... nun bin ich auch endlich im erlauchten Kreis aufgenommen ;-)
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